Würde ChatGPT Ihre Agentur empfehlen?
Sichtbar für KI

Eigentlich wäre das der große Auftrag, auf den Sie schon lange gewartet haben. Schade nur, dass Sie von der Anfrage gar nichts mitbekommen. Die potenzielle Kundin, der potenzielle Kunde hat nämlich nicht mehr gegoogelt, sondern ChatGPT gefragt und dort andere Anbieterinnen und Anbieter empfohlen bekommen. Das kostet Aufträge und Geld.
Wer jetzt ausprobieren will, ob die eigene Agentur in solchen Antworten vorkommt, sollte nicht einfach nur den Brandnamen eingeben. Denn damit ist schon vorgegeben, wonach ChatGPT oder eine andere KI suchen soll. Viel interessanter ist, ob Sie auch dann auftauchen, wenn jemand nur ein Problem beschreibt. Doch selbst dann sagt ein einzelner Treffer wenig aus. Eine britische Untersuchung von Mitte August stellte ChatGPT, Perplexity und Gemini dieselben zehn kaufnahen Fragen. In 30 Antworten wurden 104 unterschiedliche Domains als Quellen herangezogen, nur drei Unternehmen tauchten in allen drei Systemen wiederholt auf. Ein Screenshot aus ChatGPT ist also kein Sichtbarkeitsnachweis.
Glaubwürdig und trotzdem unklar?
Eine aktuelle Analyse von 100 Digitalagenturen zeigt ein interessantes Muster für Kreativbetriebe. Bei einem Drittel lautete das Ergebnis sinngemäß „Credible, but unclear“. Trotz professionellem Auftritt, Erfahrung und Content war für KI-Systeme nicht klar genug, wofür die Anbieterin oder der Anbieter steht und wann sie oder er als Empfehlung passt. Sowas passiert schnell: Auf der Leistungsseite steht „Branding“, im Portfolio findet sich ein Tourismusprojekt und auf der Über-uns-Seite steht, dass seit Jahren für diese Branche gearbeitet wird. Für Menschen ergibt sich daraus irgendwann ein Bild. Für ein Sprachmodell sind das zunächst Informationen an verschiedenen Stellen.
Warum sollte uns jemand empfehlen?
Mehr Text allein löst das Problem nicht. Entscheidend ist, dass die Zusammenhänge sichtbar werden. Ein Case sollte nicht nur zeigen, wie ein Projekt aussieht, sondern auch, welche Leistung und Erfahrung damit belegt werden. In der genannten Analyse war die Struktur bei der Hälfte der Websites sogar das schwächste Signal.
Wer steht hinter der Expertise?
Auch Fachwissen ist oft vorhanden, aber niemandem klar zugeordnet. Ein Beitrag über Markenstrategie ist ein stärkeres Signal, wenn ersichtlich ist, wer ihn geschrieben hat, welche Rolle diese Person hat und welche passenden Projekte damit verbunden sind. Google fasst solche Qualitätsmerkmale unter E-E-A-T (Experience, Expertise, Authoritativeness, Trustworthiness) zusammen, wobei E-E-A-T kein einzelner Rankingfaktor und schon gar kein „ChatGPT-Faktor“ ist, sondern ein hilfreiches Qualitätsprinzip. Auch Erwähnungen außerhalb des eigenen Webauftritts spielen mit. Wenn Kundenwebsites, Medien, die WKO oder Branchenplattformen dieselbe Spezialisierung bestätigen, entsteht ein konsistenteres Bild. Technisch gilt weniger Zauberei, als manche GEO-Ratgeber versprechen. Google sagt inzwischen selbst, dass es für seine generativen Suchfunktionen kein spezielles KI-Schema braucht und llms.txt für Google Search keine Rolle spielt. Ein Blick in die robots.txt lohnt sich trotzdem. Dort werden manchmal noch genau jene Crawler blockiert, die Inhalte für KI-Suchen erfassen, etwa OAI-SearchBot oder PerplexityBot. Das kann noch aus der ersten „Wir sperren alle KI-Bots aus“-Welle stammen und die eigene Sichtbarkeit unnötig ausbremsen.
Muss jetzt alles für die KI umgebaut werden?
Nein, zum Glück nicht. Wer seinen Webauftritt kritisch anschaut, sollte deshalb nicht anfangen, nur für ChatGPT & Co. zu schreiben. Vieles, was KI-Systemen die Einordnung erleichtert, macht die Website auch für potenzielle Kundinnen und Kunden besser. Die wichtigere Frage lautet deshalb nicht: „Was will ChatGPT von uns?“, sondern ob wir im Web wirklich so klar gezeigt haben, wofür wir stehen und warum jemand ausgerechnet uns empfehlen sollte.
Machen Sie den Test!
Formulieren Sie eine realistische Anfrage nach einer Agentur wie Ihrer, ohne den Namen zu nennen. Fragen Sie danach gezielt nach Ihrem Unternehmen und prüfen Sie, ob Leistungen und Spezialisierung richtig wiedergegeben werden. Anschließend lassen Sie sich für einen konkreten Auftrag mit zwei echten Mitbewerberinnen und Mitbewerbern vergleichen. Stellen Sie jede Frage dreimal in einem neuen Chat und wiederholen Sie den Test in ChatGPT, Gemini, Claude und Perplexity. Notieren Sie nicht nur, ob Sie genannt werden. Achten Sie auch darauf, wie Sie beschrieben werden, warum Sie empfohlen werden oder nicht und welche Quellen dafür herangezogen werden. Der Test zeigt ziemlich schnell, wo noch nachgeschärft werden muss. Denn am Ende reicht es nicht, dass die KI Sie kennt. Entscheidend ist, ob sie genug belastbare Gründe findet, Sie auch zu empfehlen.












